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Pensionssymposion Paris Pressemeldung 7. Mai 2004
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Pensionssymposion Paris
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Zum 8. Mal lud die Raiffeisen Versicherung Journalisten und Vertreter der Raiffeisen Bankengruppe zu einem internationalen Pensionssymposion nach Paris.
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Im Fokus des mittlerweile zur Tradition gewordenen Symposions stand neben Frankreich auch der generelle Reformkurs der nun auf mittlerweile 25 Staaten erweiterten Europäischen Union. Hochkarätige Vortragende boten den Teilnehmern Einblicke in die aktuelle Situation der europäischen Pensionssysteme und mögliche Lösungsansätze für Zukunft. Höhepunkt des Symposions waren die Ausführungen von Weltbankdirektor Prof. Dr. Robert Holzmann. Er erklärte warum Reformen auch für Europas künftige Wettbewerbsfähigkeit so entscheidend sind und wie seine Idealvorstellung eines Alterssicherungssystems aussieht. Eine Zusammenfassung:
Die Pensionskosten hemmen Europas Wettbewerbsfähigkeit
Europa hat im Vergleich mit anderen Märkten enorm hohe Pensionskosten (die durchschnittlichen Pensionskosten der "alten EU 15" liegen etwas über 10 % des BIP, in übrigen Staaten wie USA, Japan, Australien, Kanada sind sie nur halb so hoch. Österreich liegt mit 14,5 % überhaupt an der Spitze). Durch die gemeinsame Währung ist es einzelnen Ländern nicht wie früher möglich, Wettbewerbsnachteile durch Abwertung auszugleichen. Besonders betroffen davon sind Länder mit hohen Lohnnebenkosten.
Der Wechselkurs wird allerdings nicht allein durch die Leistungsbilanz eines Landes bestimmt, sondern auch durch dynamisches Wachstum. Die dafür notwendige Innovation und Mobilität (neue Produkte, neue Märkte, lebenslanges Lernen, stärkeres Unternehmertum etc.) wird durch das derzeitige Pensionssystem gehemmt. Anreize für eine flexiblere Gestaltungsmöglichkeit des Arbeitslebens (z.B. Weiterbildungskarenz) fehlen ebenso, wie für die Stärkung der Selbstständigkeit. Ein weiterer Wettbewerbsnachteil Europas ist dessen unterentwickeltes Finanzmarktsystem.
Sozioökonomische Veränderungen bedingen Reformen
Die Pensionsdiskussion in Europa wird primär mit fiskalischen Argumenten geführt. Bisher wenig Beachtung finden laut Prof. Holzmann die sozioökonomischen Faktoren, die ebenfalls eine Reform der derzeitigen Pensionssysteme notwendig machen. Die Frauenerwerbsquote wird weiter steigen. Die Scheidungsraten sind enorm hoch und die Familienstrukturen ändern sich. Die Zahl von Teilzeitjobs und atypischen Beschäftigungsverhältnissen wird zunehmen. Dafür gibt es derzeit unzureichende bzw. gar keine Pensionsregelungen.
Das ideale Alterssicherungssystem
Die Pensionen in Europa setzen sich in der Regel nach dem 3-Säulenprinzip (staatlich, betrieblich, privat) zusammen. Für Prof. Holzmann ist die Zusammensetzung des Ruhegenusses aus mehreren Säulen wichtig: „ Durch eine Aufteilung auf mehrere Säulen erfolgt eine Risikodifferenzierung zwischen politischer, ökonomischer und demografischer Risiken.“ Sein ideales Alterssicherungssystem sieht dennoch etwas anders aus:
1. Eine starke Hauptsäule: Eine Kombination aus Umlageverfahren und kapitalgedeckter Pension. Diese Hauptsäule müsste allerdings anders strukturiert sein und um Faktoren ergänzt werden, die den Alterungsprozess der Bevölkerung berücksichtigen. Den unterschiedlichen Lebensperioden und der längeren Lebenserwartung müsste im System durch Zu- und Abschläge Rechnung getragen werden.
2. Eine „soziale“ Säule: Eine Form von Mindestpension für ältere Menschen, die nie oder nur beschränkt die Möglichkeit gehabt haben am staatlichen System teilzunehmen oder aus dem staatlichen System zu wenig schöpfen konnten. In den Genuss dieser Säule sollten betroffene Menschen mit 67 bis 70 Jahren kommen.
3. Eine kapitalgedeckte Marktpension: Betriebliche und/oder private kapitalgedeckte Pension
Pensionsharmonisierung in Österreich
Eine Harmonisierung der verschiedenen Pensionssysteme ist für Prof. Holzmann nicht nur für Österreich sondern europaweit aus Gleichheits- und Effizienzgründen wichtig. „Aus Gleichheitsgründen deshalb, weil das jetzige System in Österreich unterschiedliche Beiträge aus der Staatsschatulle verlangt, die in keinster Weise vom Bedarf gekennzeichnet sind, sonders sich aus einem politischen Bedarf ergeben haben“ begründet Prof. Holzmann.
Eine moderne Wirtschaft benötigt ein System, wo man humane Arbeitsressourcen nutzen und daher zwischen öffentlichem und privaten System wechseln kann. Dies wird derzeit behindert. Daher ist eine Harmonisierung auch aus Effizienzgründen sinnvoll, die laut Prof. Holzmann einfach zu realisieren wäre: „Die Frage der Umsetzung ist auch technisch einfach und es überrascht mich, warum dies politisch in Österreich so schwierig erscheint. Für alle könnte ein einheitliches System binnen einem Jahr umgestellt werden.“
Seine These: Man nehme einen Beamten der fünf Minuten vor Pension ist und vergleiche ihn mit einem Beamten der 40 Jahre ist und einem der zu arbeiten beginnt. Alle bestehenden Pensionsansprüche werden per Stichtag in Geld umgerechnet und fiktiv gutgeschrieben. Am nächsten Tag wird für Beamte, Gewerbetreibende usw. mit einem System fortgefahren. In einem Kontensystem wird das Geld gutgeschrieben und verzinst. Derjenige der vor dem Stichtag kurz vor der Pension stand, erhält im wesentlichen die gleichen Leistungen wie im alten System. Der Einsteiger erhält die Ansprüche nach neuem System und der 40jährige erhält Leistungen je zur Hälfte aus altem und neuem System.
„Dieses System wäre gerecht, effizient und bietet jene Anreize, die es für eine alternde Bevölkerung bedarf. Natürlich steht es dem Staat, den Unternehmen frei, ihren Mitgliedern zusätzlich noch eine kapitalgedeckte Pension mit beitragsbezogener Leistung zu gewähren“ erklärt Prof. Holzmann die Vorteile einer Harmonisierung.
Analyse der Reformbemühungen in Österreich
Die bisherige Pensionsreform in Österreich bezeichnet Prof. Holzmann einerseits als überraschend stark, andererseits als noch unzureichend. Positiv hebt er die Eindämmung der Frühpensionsproblematik hervor. Die bereits erwähnte Harmonisierung und ein beitragsorientiertes System (was ich einzahle bekomme ich heraus) wären seiner Meinung nach ebenso sinnvoll wie auch Anreize zu schaffen, dass die Menschen auch länger arbeiten. „ Dies wäre auch eine Herausforderung für Arbeitgeber und Gewerkschaften nicht nur über Löhne zu verhandeln, sondern auch einmal über Gesundheitsmaßnahmen und Bildungsmöglichkeiten der Mitarbeiter nachzudenken“ erläutert Prof. Holzmann den Umdenkprozess für Arbeitsanreize.
Die kapitalgedeckte Säule in Österreich
Die Schaffung und vor allem konstante Beibehaltung von steuerlichen Anreizen der kapitalgedeckten (betriebliche und private) Säule ist für Prof. Holzmann ein wichtiger Aspekt bei der Sicherung der Alterspensionen: „Steuerliche Anreize dürfen nicht einmal gegeben, dann wieder genommen werden. Keep it simple lautet der Erfolg bei der Schaffung von Anreizen. Das haben alle Beispiele in den verschiedenen Ländern bisher gezeigt. Ein Negativbeispiel mit viel zu komplexen Regelungen ist Deutschland.“
Dir. Franz Josef Werle, Direktor des Europäischen Versicherungsverband erläuterte wie sehr die Pensionsproblematik gerade auch die neuen Mitgliedsländer der Europäischen UNION betrifft und wie es allgemein um den Pensionsreformkurs in Europa steht.
Frau Dominique Lassus-Minvielle vom französischen Arbeits- und Gesundheitsministerium zeigte auf wie problematisch Bemühungen von Strukturveränderungen sein können: Die im Vorjahr von der konservativen Regierung beschlossene Rentenreform hat im März zu massiven Verlusten der Partei bei den Regionalwahlen geführt.
André Renaudin, Generaldirektor des französischen Versicherungsverbandes wies in seinem Referat darauf hin, dass daher für die Franzosen private Eigenvorsorge künftig noch wichtiger wird. Er gab weiters einen Überblick über die Pensionsreform in Frankreich und die private Eigenvorsorge.
Rückfragen zu diesem Thema:
Raiffeisen Versicherung AG – Presseservice
Tel.: (+43 1)211 19-3233
E-Mail: ulla.arias-vicioso@raiffeisen-versicherung.at
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